Das Rote Kreuz Schifferstadt im 2. Weltkrieg und die Zeit danach

1933
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die freiwillige Sanitätskolonne Schifferstadt von den neuen Machthabern umgewandelt, d. h. mit anderen ähnlichen deutschen Einrichtungen gleichgeschaltet. Der neue Landrat, Dr. Schug, machte daraus das Deutsche Rote Kreuz Speyer II - Bereitschaft (m) und (w). Der Kolonnenführer Josef Mayer VIII. und andere alte Mitglieder konnten sich in die neue Organisation nicht mehr einfügen und schieden nach und nach aus. 

1935
Jakob Sattel wird Wachtführer der Bereitschaft (m) und Frau Eberts Wachtführerin der Bereitschaft (w). Damit waren Männer und Frauen vom Roten Kreuz im Deutschen Roten Kreuz Speyer II vereinigt und die freiwillige Sanitätskolonne und der ursprüngliche Zweigverein vom Bayerischen Frauenverein vom Roten Kreuz hatten in der alten Form aufgehört zu existieren.

1935 - 1941
Es gab damals sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einen starken Mitgliederzugang. Alle Menschen sollten in irgendeiner Form organisiert sein und so fanden auch Männer und Frauen den Weg zum Roten Kreuz, die nicht so ganz linientreu waren.

In diesen Jahren wurden Ausbildungen und Übungen stark forciert. Dr. Koch wurde bei der Ausbildung von Ludwig Krause, Jakob Sattel, Frau Eberts, Frau Scharer und Fräulein Schneider unterstützt.

Ebenfalls wurde in dieser Zeit ein Krankenwagen und ein Pkw angeschafft.

1937
Josef Mayer VIII. verlässt die Kolonne.

1939
Frau Eberts schied wegen Erkrankung aus dem Roten Kreuz aus. Frau Nauerz trat ihre Nachfolge an und übernahm die Leitung der Bereitschaft (w).

01.09.1939
Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges begann für alle Rotkreuzangehörigen eine schwere Zeit. Die Aktiven wurden meist zeitnah einberufen. Die in der Heimat verbliebenen Sanitäter mussten zum Teil in Lazaretten und Krankenhäusern Dienst tun. Einige blieben hier und betätigten sich im Krankentransport, Bereitschaftsdienst bei Fliegeralarm u. ä. Die Helferinnen richteten im Haus Mayer am Schillerplatz ein Revier für die Soldaten vom Infanterie-Regiment 104 ein. Die Soldaten waren hier einquartiert und wurden ausgebildet.

1940
Frau Anna Schuster übernahm die Bereitschaftsführung (w).

1940 - 1943
Bei Fliegeralarm war in dieser Zeit der Keller des Mädchenschulhauses Treffpunkt der Sanitäter.

1942
In diesem Jahr wurde das Schlosser'sche Haus in der Rehbachstraße 12 erworben. Die Rotkreuzler hatten nun einen festen Stützpunkt für ihre Arbeit. Im Keller wurde ein Luftschutzraum, in dem auch eine Notunterkunft mit 20 Betten eingerichtet war, im Erdgeschoß ein großer Unterrichtsraum und in der Scheune drei Garagen eingebaut. Der Bereitschaftsführer Sattel hatte in seinem Haus ein Büro als Geschäftsstelle für den Krankentransport und die Bereitschaft (m) sowie ein Materiallager eingerichtet.

25.05.1943
Der Bereitschaftsarzt, Sanitätsrat Dr. Koch, hat seine Ausbildungsarbeit fast bis zu seinem Tode durchgeführt. Er wurde unter Beteiligung von Helferinnen und Helfern an diesem Tage auf dem Friedhof in Speyer beigesetzt.

1943
Der Krieg riss auch unmittelbar eine Lücke in die Reihe der DRK-Helferinnen. Franziska Minges wurde durch einen Bombensplitter getötet.

1944
Für die Helfer, die noch in Schifferstadt waren kam Ende des Jahres der Einsatz beim Volkssturm. Diebold und Gruber mussten mit den Mannschaften etwa 15 Mal an Sonntagen ausrücken und Verletzte ins Rotkreuzhaus bringen.

Philipp Heger, Martin Kerth, Georg Klapp und Ludwig Sattel unterstützten die Ärzte Dr. Hennes und Dr. Mohr. Sanitätsfeldwebel Schader war Vorgesetzter.

November 1944
Die Frauen hatten indessen einen viel härteren Dienst zu leisten. In diesem Jahr waren in den Schulhäusern und in Sälen über 3.000 Fremdarbeiter einquartiert. Sie mussten von den Helferinnen des DRK betreut werden.

23.03.1945
Einmarsch der Amerikaner in der Region.

1945
Unsere Soldaten wurden als Kriegsgefangene in den Lagern Rheingönheim, Speyer und Böhl auf freiem Feld zusammen gepfercht. Die Frauen des DRK unter Führung von Frau Schuster und Frau Weber haben den Gefangenen unermüdlich bis an den Rand ihrer eigenen Kräfte Hilfe gebracht. Durch Kontaktaufnahme mit den bewachenden Amerikanern wurde es möglich, unseren Soldaten Lebensmittel zu übergeben.

05.07.1945
Dr. Papencordt, praktischer Arzt aus der Kirchenstraße in Schifferstadt, besuchte Josef Mayer X. und Lehrer Martin Kerth, um mit ihnen über die Wiederaufnahme der Rotkreuztätigkeiten zu sprechen.

Juli 1945
Alle vor der Auflösung im Schifferstadter Rotkreuz dienenden Helfer wurden auf den Schifferstadter Marktplatz bestellt. Der damalige kommissarische Bürgermeister Dr. Kaufmann erschien dort zusammen mit dem französischen Kommandanten. Letzterer teilte mit, dass die Tätigkeit im Rahmen des so genannten Sanitäts- und Hilfsdienstes wieder aufgenommen werden dürfe und händigte Josef Mayer X. den Schlüssel für das Rotkreuzhaus aus.

1946
Dr. Schenk wurde von der französischen Besatzung mit seiner Praxis in das Rotkreuzhaus gesetzt. Er erhielt dort eine Wohnung und durfte sich den großen Unterrichtsraum im Erdgeschoss zu zwei Praxisräumen umbauen. Josef Mayer X. war als Beauftragter des Sanitäts- und Hilfsdienstes dazu gezwungen. Das Material des Roten Kreuzes wurde im Keller als auch bei Frau Schuster zuhause untergebracht.